Gefahrstoffe auf dem Rastplatz Steinburg
„Vollalarm TH X Nutzfahrzeug auf BAB“ – das war um 13:09 Uhr diejenige Alarmierung, bei der schlussendlich die meisten Kameraden unserer Feuerwehr ihren restlichen Samstag verbringen sollten. Das „X“ steht (wie auch einige von uns dann erst an der Einsatzstelle feststellten 😀), für Gefahrstoffe. Es ging also irgendwie um einen LKW, der Gefahrstoffe geladen hat.











Beamte des Zolls hatten bei der Kontrolle eines LKWs auf dem Rastplatz Steinburg einen beißenden Geruch festgestellt und daher die Feuerwehr über die Kooperative Regionalleitstelle West alarmiert. Obwohl der Rastplatz im Kreis Steinburg liegt, gehört er zum Verantwortungsgebiet der Freiwilligen Feuerwehr Klein Offenseth-Sparrieshoop (im Kreis Pinneberg), da er über die hiesige Autobahn-Auffahrt am schnellsten zu erreichen ist.
Vor Ort stellten wir fest, dass das Fahrzeug eine Vielzahl verschiedener Gefahrstoffe geladen hatte und dass von außen nicht ersichtlich (oder zugänglich) war, welche Behältnisse betroffen sind.






Ihr kennt bestimmt den Ausdruck, dass die Feuerwehr „unter schwerem Atemschutz“ vorgegangen sei. Das Atemschutz-Equipment ist wirklich schwer (ca. 15 kg), dazu kommen dann noch die Einschränkung des Sichtfelds unter der Atemschutzmaske, das Angewiesensein auf die Luft aus der Druckflasche auf dem Rücken und natürlich auch eine psychische Komponente. Die mitgeführte Atemluft reicht bei anstrengenden Einsätzen ca. 15-20 Minuten. Aufgrund der körperlichen Belastung kann ein Kamerad nicht mehr als zwei- bis dreimal als Atemschutzgeräteträger eingesetzt werden.
Beim Gefahrstoff-Einsatz ziehen die Feuerwehrleute über all das Atemschutz-Equipement dann noch einen luftdichten Schutzanzug (den so genannten CSA, Chemikalien-Schutz-Anzug), der den Sichtbereich weiter einschränkt und die Belastung weiter erhöht. Das für den Einsatz zur Verfügung stehende Personal geht also relativ schnell aus.






Die leckgeschlagene Kiste wurde letztendlich ganz hinten auf dem Container gefunden, so dass annähernd die gesamte Ladung in Handarbeit durch die CSA-Träger entladen werden musste. Zur Bestimmung der ausgasenden Stoffe wurden verschiedene Fachberater hinzu gezogen, ebenso wie der Löschzug Gefahrgut – eine Kreis-Einheit, die sich auf den Umgang mit Gefahrstoffen spezialisiert hat. Um 13:33 Uhr schrillten erneut die Sirenen in Klein Offenseth-Sparrieshoop: Es wurden weitere Atemschutzgeräteträger benötigt. Da auch diese Kräfte nicht ausreichten, waren am Ende die Einheiten „Löschzug Gefahrgut“ aus den Kreisen Steinburg, Pinneberg und Dithmarschen an der Einsatzstelle, zusätzlich die Feuerwehr Groß Offenseth-Aspern. Um 16:19 Uhr wurden auch die weiteren Nicht-Atemschutzgeräteträger unserer Feuerwehr dazu alarmiert und um 22:59 Uhr alle anderen (ggf. erneut), um nach Einsatzende auf den Fahrzeugen und in der Wache wieder „klar Schiff zu machen“ – immerhin kann jederzeit zum nächsten Einsatz alarmiert werden. Die Aufräumarbeiten dauerten bis ca. 2:00 Uhr nachts an.








Zusätzlich zu den o.g. Kräften waren auch die THW-Ortverbände aus Barmstedt, Itzehoe und Elmshorn mit ihren Fachberatern und den Fachgruppen Bergen & Räumen zur Unterstützung beim Entleeren des Containers vor Ort. Die Autobahnmeisterei Steinburg sowie die Landespolizei Schleswig-Holstein übernahmen die Absperrung der Einsatzstelle. Die Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) sicherte uns alle gegen eventuelle Not- und Unfälle ab, und die DRK-Bereitschaften aus Itzehoe sowie Glückstadt übernahmen zusammen mit Kameraden der Johannitern aus Steinburg die Verpflegung für die rund 100 Kameraden bei dem mehr als 10-stündigen Einsatz. Der Kreisfeuerwehrverband Pinneberg versorgte uns nach dem Einsatz mit frischen Schläuchen und neuen Atemluftflaschen.























alle Fotos: Hendrik Schnoor/ Pressesprecher KFV Steinburg
Ein Dank für die hervorragende Zusammenarbeit geht an alle beteiligten Einheiten. Wir hatten es an dieser Stelle schon einmal erwähnt: So(!) sieht es aus, wenn ganz viele Zahnrädchen perfekt ineinander greifen! ⚙️💪
